Keimung ist Biologie pur: Der Samen nimmt Wasser auf, aktiviert Reserven und schiebt die Keimwurzel. Wenn eine Basisvariable aus dem Ruder läuft, wird der Start ungleichmäßig oder stoppt. Hier eine kompakte Karte der häufigsten Probleme—ohne Mythen, ohne „Zauber“, mit klarem Blick auf die Ursachen.
1) Zu nass / zu trocken
Zu nass limitiert Sauerstoff am Embryo und an der jungen Wurzel; Gewebe fault leichter.
Zu trocken unterbricht Hydration und Stoffwechsel—der Embryo startet und „friert ein“.
Merksatz: das Startmedium muss feucht und gleichzeitig luftdurchlässig sein. Stau und Muffgeruch sind Warnsignale.
2) Verdichtete Substratstruktur
Zu dichtes oder „verklebtes“ Substrat erschwert den Gasaustausch um Samen und Keimwurzel. Sämlinge wachsen langsamer, bleiben zart und knicken beim Auflaufen leichter um.
Merksatz: Starts mögen Struktur (Porosität), keine „Knetmasse“.
3) Salz am ersten Tag
Zu viele Nährsalze im Keimbereich reizen zartes Gewebe und „verbrennen“ Wurzelhaare.
Merksatz: zu Beginn geringer Salzgehalt; echte „Nahrung“ des Sämlings steckt in den Keimblättern.
4) Alter, Lagerung und harte Samenschale
Alter/Lagerbedingungen beeinflussen Vitalität und Keimenergie.
Harte, wenig durchlässige Schale bremst Wasseraufnahme und Aufplatzen.
Ungleichmäßiger Start ist normal; zu viel Herumfummeln macht’s schlechter.
Merksatz: Samen kühl, trocken, dunkel lagern; zum Start: in Ruhe lassen.
5) Hygiene und Umfallkrankheit (Damping-off)
Klassisch: Sämling steht, Stängelbasis verjüngt sich, Pflänzchen kippt. Ursache sind Mikroben, die Nässe und Luftstau nutzen.
Merksatz:sauberes Werkzeug, frische Medien, Luftbewegung und keine „Sumpfzonen“. Befallene Proben nicht „wiederbeleben“.
6) „Helm“ und verklebte Keimblätter
Manchmal sitzt die Schale oben wie ein Helm, und eine Membran klebt die Keimblätter zusammen. Treiber sind oft Luftfeuchtebedingungen beim Durchstoßen der Oberfläche.
Merksatz: mäßig feuchte Luft hilft beim „Helm ab“. Wichtig: nicht zerren.
7) Vergeilung (Etiolation)
Zu schwaches/zu fernes Licht zieht Sämlinge in die Länge—lange, dünne, schlaffe Stiele kippen um.
Merksatz: nach dem Auflaufen gleichmäßiges, angemessenes Licht in sinnvoller Distanz.
8) Temperatur ohne Stabilität
Große Schwankungen im Keimbereich (Überhitzung/Auskühlung) entgleisen Embryo- und Wurzelphysiologie.
Merksatz:stabile, moderate Bedingungen statt Sinuskurven.
9) Hektik beim Umtopfen und Anfassen der Keimwurzel
Die Primärwurzel ist wie Zahnschmelz—einmal beschädigt, wächst sie nicht nach. Erzwingen in den ersten Tagen endet oft im Absturz.
Merksatz: wenn bewegen, dann sanft, mit sauberem Werkzeug und minimaler Wurzelstörung.
10) Mythen und „Schnelltricks“
Schalen anritzen, Zufallsbrühen, Beschleunigungs-Tricks—Verletzungsrisiko schlägt meist den Nutzen.
Merksatz: je schlichter und sauberer, desto besser. Biologie will keinen Showstart.
11) Samenlagerung—Basis für die Saison
Größter Feind der Keimfähigkeit sind Schwankungen: Temperatur, Luftfeuchte, ständiges Öffnen. Dichter Behälter plus Trocknungsmittel bringt mehr als „Hacks“.
Schnelle „Was stimmt nicht?“-Matrix (ja/nein)
Ist das Medium feucht und porös?
Gibt es Luftbewegung und Sauberkeit im Startbereich?
Ist das Licht nach dem Auflaufen gleichmäßig?
Wurden Samen korrekt gelagert?
Vermeidest du Anfassen der Keimwurzel und Hektik?
Das war’s. Keine Magie—nur Basics: Wasser, Sauerstoff, Struktur, Stabilität, Hygiene. Wenn diese fünf sitzen, klappt Keimung meist „einfach so“.